05.09.2006 | Feuer, 2. Alarm Lederstraße

Aus der Sicht des Gruppenführers:

In der Nacht vom 5.9.2006 um 02:37 Uhr wurden wir unsanft durch das Piepen unseres digitalen Meldeempfängers geweckt:

Der Alarmierungstext: 02:37 FEU - Lederstr. / - Fa. XY brennt Müll-Lagerhalle

Mit uns wurde der Löschzug der Feuer- und Rettungswache 15 (BF Stellingen) alarmiert. Rein in die Hose. Socken, Schuhe und Jacke anziehen. Rein ins Auto und ab zum Feuerwehrhaus....

An unserem Feuerwehrhaus angekommen, konnte ich den Brandgeruch schon sehr deutlich wahrnehmen, obwohl die Einsatzstelle in ca. 2 Kilometer Entfernung liegt. Dies lies auf ein größeres Feuer schließen.

Wir besetzten unser LF16-12 (STELG1) und rückten aus. Der Angriffstrupp rüstete sich mit PA (Preßluftatmer), Fangleine und Fluchthaube aus und ich wies dem Rest der Mannschaft ihre Funktionen (Wassertrupp, Schlauchtrupp, Melder) zu.

Auf der Anfahrt zur Einsatzstelle meldete ich beim Zugführer 15 (ZF15) über Handfunkgerät unsere Stärke ( 1 / 8 ) sowie den sofort einsatzbereiten PA-Trupp. Der ZF 15 teilte mir mit, daß wir sofort von der Straße aus die Wasserversorgung auf das Firmengelände zu seinem HLF1 aufbauen sollen und ich meinen PA-Trupp nach vorne zum Brandherd schicken solle.

Direkt vor Ort gab ich den Einsatzbefehl: "Wasserentnahmestelle Unterflurhydrant Ottensener Str., Ecke Lederstr., B-Leitung zum HLF1 der Wache 15, Angriffstrupp mit mir nach vorne" an die Mannschaft. Das vielfach geübte Prozedere lief an. Der PA-Trupp rüstete sich mit Schlauchtragekörben, Axt, Handlampe und einem Strahlrohr aus und begab sich mit mir und dem Melder zum Brandherd.

Der Zug 15 hatte schon mit der Brandbekämpfung über einen Wasserwerfer auf dem HLF1 und dem Schutz einer benachbarten Halle mit einem B-Rohr begonnen. Daraus resultiert ein enorm hoher Wasserbedarf.

Der Wassertrupp begann mit Unterstützung des Schlauchtrupps mit dem Aufbau einer Wasserversorgung über mehrere hundert Meter. Von früheren Übungen auf dem Gelände war mir klar, daß diese Aufgabe zeit- und arbeitsintensiv wird und die eingesetzten Kameraden länger gebunden sind und mir nicht für weitere Aufgaben zur Verfügung stehen

An der Lagerhalle angekommen erhielt ich vom ZF 15 eine kurze Einweisung und er übergab mir den Auftrag zur Brandbekämpfung mit einem C-Rohr.

Zwischenzeitlich erhöhte der ZF15 um 02:51 Uhr die Alarmstufe auf "FEU2". Daraufhin wurden der Führungsdienst West "B-Dienst 10/1", der Löschzug "HLZ12" aus Altona, der Umweltdienst "U-Dienst 32" und die FF Eppendorf zur Wasserversorgung und Ausleuchtung alarmiert.

Mein PA-Trupp verlegte sich vom Verteiler aus seine Schlauchleitung selber, schloss das Strahlrohr an und nahm zunächst die Brandbekämpfung von außen am linken Teil der Halle auf.

Kurz danach traf unser 2. LF16-KatS "STELG2" ein und unterstützte beim Aufbau der Wasserversorgung. Der PA-Trupp "STELG2" meldete sich bei mir und ich erteilte ihnen den Auftrag zur Brandbekämpfung im rechten inneren Bereich der Halle mit einem C-Rohr.

Der Maschinist (und gleichzeitig unser Wehrführer-Vertreter) STELG1 übernahm kurzzeitig die Atemschutzüberwachung und übergab sie dann später dem Maschinist STELG2, um mich bei der Führung unserer Mannschaft zu unterstützen. Danke, Speedy !!!

Mittlerweile hatte der Inhalt eines links außerhalb der Halle stehende 20 Kubikmeter-Containers durch Wärmestrahlung und Funkenflug Feuer gefangen. Ich dirigierte den Angriffstrupp STELG1 um und ließ den Container ablöschen. Danach setzte ich die Beiden im inneren linken Teil der Halle ein. Dort stand auch eine Müllverwertungsmaschine, deren Reifen und Hydrauliköl brannten, die sich mit Wasser fast nicht löschen
ließ.

Weitere kurze Besprechungen mit dem ZF 15 und dem eingetroffen B-Dienst folgten und wir entschlossen uns zur Vornahme eines Schaumrohres. Nur der Einsatz von Wasser brachte nicht den gewünschten Erfolg. Das Schaumrohr wurde vom Angriffstrupp STELG2 in Betrieb genommen. Wenn bei den PA-Trupps die "Luft raus" war, sprich ihre Atemschutzflaschen nahezu leer waren, erfolgte die Ablösung durch die zwischenzeitlich freigewordenen Wassertrupps STELG1 und STELG2. Áußerdem wurde ein PA-Trupp als Sicherungstrupp am Verteiler bereitgehalten.

Leider verletzte sich der Wassertruppführer "STELG2" beim Innenangriff am Knöchel (Verdacht auf Bänderdehnung oder Anriss). Nach einer kurzen Begutachtung des Fusses durch unseren Wehrführer-Verteter forderte ich über den B-Dienst-Melder einen RTW zur Einsatzstelle. Nach einer ambulanten Behandlung im Krankenhaus konnten wir den Verletzten aber schon bei unserer Rückkehr ans Feuerwehrhaus wieder in Empfang nehmen. Gute Besserung, Michi2 !!!

Ebenfalls verletzte sich ein Kamerad der FF Eppendorf bei den Löscharbeiten leicht am Arm und konnte nach einer kurzen ambulanten Behandlung den Heimweg antreten. Auf diesem Wege auch ihm gute Besserung.

Nach Fertigstellung einer ausreichenden Wasserversorgung unterstützte die FF Eppendorf ihrerseits mit PA-Trupps und übernahm mit Kräften vom Zug 12 den Schutz von benachbarten Gebäuden sowie die Brandbekämpfung am hinteren Hallenteil und später im Inneren.

Zeit verstrich und es wurden Kräfte nachgefordert. Unter anderem der FF Bereichsführer Eimsbüttel, der Führungsdienst "A-Dienst 1/2", die FF Ottensen zur Versorgung mit Getränken und Essen und die Umweltbehörde der Stadt Hamburg. Neben dem Abrollbehälter Schaum kam das Lösch-Unterstützungs-Fahrzeug "LUF" der BF zum Einsatz. Dieses Fahrzeug ist mit einem großen Lüfter ausgestattet und zusammen mit Schaumrohr und C-Rohr, welche vor dem Luftstrahl auf den Brandherd gerichtet wurden, stellte sich zusehends ein Löscherfolg ein. Dazu wurden von unseren Nicht-PA-Trupps im Vorwege die in der Nähe der Halle liegenden Siel- und Gullyeinläufe
mit Dichtkissen abgedichtet, um soweit wie möglich ein Einlaufen von Löschschhaum und kontaminiertem Wasser in die Kanalisation zu vermeiden.

Um 06:11 Uhr wurde die FF Eidelstedt als Ablösung für uns alarmiert. Gott sei Dank, denn die Meisten waren vom Wasser und Schaum durchnässt und erschöpft. Alle Beteiligten haben unter Beweis gestellt, daß das Erlernte prima umgesetzt wurde.

Text: M. Schröder
Bilder: H. Rieger

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